Steigerung des Rückhand-Vorwärtsdralls bei erwachsenen Kreisklassen-Spielern!
| Übungsleiter: | Marc Brenzel |
| Ort / Datum: | Anlage des TV Lüdenscheid v. 1861 (1 Aschenplatz), 23.05.2003 |
| Dauer: | 55 Minuten (5 Minuten Platzpflege) |
| Teilnehmer: | 4 rechtshändige Hobby-Turnierspieler: Siegfried Müller, Jürgen Meier, Ulli Schmidt, Ralf Bäcker (Namen fiktiv) |
| Richtziel: | Rückhandschlag in der Feinform verbessern |
| Grobziel: | Hinführung und Entwicklung des Rückhand-Topspin Schlages |
| Feinziele: | • ...sollen vom bisherigen RH-Slice oder geraden Ball mehr Vorwärtsdrall erreichen (motorisch) |
| • ...sollen den RH-Topspin in empfehlenswerten taktischen Situationen variierend sinnvoll einsetzen (taktisch-kognitiv) | |
| • ...sollen den neuen "Spezialschlag" in ersten, vorgegebenen Ballwechseln konsequent anwenden (motorisch) | |
| Einbindung der Stunde in die Reihe: |
1. Vom RH-Slice zum RH-Topspin als technische Grundeinführung; 2. RH-Topspin Erlernung unter vereinfachten, technikorientierten Bedingungen; 3. Anwendung erster RH-Topspin Bälle in taktisch vorgegebenen aber auch variierenden Situationen; 4. RH-Topspin Erfahrungen in konkreten Lob-, Passier- und Grundliniensituationen unter wettkampfähnlichen Bedingungen. |
Der Rückhand Topspinschlag hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte sowohl in Literatur als auch Praxis gewandelt: Wurden früher eher "saubere, gerade" Bälle gelehrt - in einigen Büchern wurde der Topspin als komplizierter Spezialschlag in der erst späteren Feinform tituliert - so beginnen heute bereits Anfänger sofort damit, möglichst viel Vorwärtsdrall zu erzeugen. In dieser dritten Anwendungsstunde sollen die wesentlichsten technischen Einführungen kontrolliert werden: 1. tiefes Absenken des Schlägerkopfes; 2. Schlägerbeschleunigung nun stärker nach oben gerichtet; 3. ggf. verstärkter Knieeinsatz zur Schlagrichtungsbegleitung (explosive Ganzkörperdynamik als Drallunterstützung). Unter taktischen Gesichtspunkten sei hier auf den Topspin-Verzicht bei extrem niedrigen Bällen zu achten. Taktische Einsatzmöglichkeiten werden in der abschließenden, vierten Einheit behandelt.
Alle Teilnehmer spielen seit ca. 5 Jahren Hobbytennis und haben sich die
Schläge in den ersten Jahren autodidaktisch vermittelt. Seit zwei Jahren
spielen sie jedoch häufiger untereinander, es wurde sogar eine Herren 40+ auf
Kreisebene gegründet. Bis auf einen Teilnehmer sind alle den RH-Slice gewöhnt
und beherrschen diesen in der abschließenden Feinform, d.h. unter schwierigen,
variierenden Bedingungen unterlaufen gelegentlich noch Fehler in Koordination
und Präzision.
Siegfried Müller spielt als einziger besser RH als VH. Als einziger
Beidhänder ist sein gesamter Vorschwung, v.a. die Treffstrecke allerdings zu
stark verkürzt und wirkt damit verkrampft und abgehakt;
Jürgen Meier spielt extrem glatte, einhändige RH Bälle. Dabei setzt er
oftmals zu viel Kraft ein, so dass seine Bälle zu lang werden. Zudem steht er
zu offen zum Ball, was die links-rechts-Präzision negativ beeinflusst;
Ulli Schmidt spielt seit Jahren extremen RH-Slice. Zudem weist er
läuferische Defizite, aber auch verbunden mit Bequemlichkeiten im Knieeinsatz
auf. Hier wird eine Drallumstellung problematisch, da die alten,
selbstvermittelten Abwärts-Bewegungsmuster schwer zu korrigieren sind.
Manfred Bäcker spielt wie Ulli Schmidt rechtshändig-einhändig einen
oft unkontrolliert RH-Slice. Er muss sich an die relativ neue Trainingssituation
erst gewöhnen und motiviert werden, da er seine Prioritäten bislang eher auf
kampfbetonte Hobby-Matches legte, weniger auf Technikschulung.
Die Trainingsgruppe forderte vor Kurzem von sich aus, ihre Rückhandmöglichkeiten zu erweitern und einen "neuen Schlag zu lernen". Aus organisatorisch überschaubaren Gründen - es besteht nur die Möglichkeit, einmal in der Woche zu trainieren - wurde eine kleine Reihe mit vier RH-Topspin Einheiten entworfen. Obwohl der dralllosere RH-Grundschlag und RH-Slice in der Vierergruppe noch nicht perfektioniert worden ist, so erweitern die neuen Lerninhalte ggf. dennoch das Schlagrepertoire, auch, wenn durch die anfänglich höhere Fehlerzahl der RH-Topspin wohl nur bedingt in Kreisklassen Begegnungen eingesetzt werden dürfte.
Trotz oben erwähnter Spielstärkenunterschiede bedarf es keiner besonderen Differenzierungsmaßnahmen, da alle Teilnehmer zielgleiche Aufgaben erhalten. So folgt die Einheit allgemeinen Grundsätzen, wie zum Beispiel vom Bekannten zum Unbekannten, vom Einfachen zum Zusammengesetzten (Komplexen) oder vom Leichten zum Schweren. In dieser bereits dritten Einheit sollte sich der Übungsleiter weitestgehend aus dem direkten und ständigen Zuspiel heraushalten und Ballwechsel innerhalb der Gruppe fördern.
| Zeit | Phase | Aktivität ("TN"=Teilnehmer, "ÜL"=Übungsleiter) | Sozialform / Medien | Kommentar |
| 8 Min | Aufwärmen
Dehnung |
TN laufen mit ihrem Schläger um das Tennisfeld - auf ein
Klatschen des ÜL bleiben sie stehen und führen einen bereits in
Grundzügen RH-Topspinschlag "trocken" aus, laufen dann
gleichmäßig weiter. Variation: Der ÜL nennt eines von ca. vier Topspin-
Technikkriterien, welches der TN dann überbetont "trocken"
simuliert, anschließend weiterlaufen. ÜL macht 3 Dehnungsaufgaben unter Einbeziehung des Schlägers für Arm / Schulter vor: gestreckte Arme über Kopf; Schläger hinter dem Rücken (Oberarme); Unterarme am Rahmen dehnen; danach noch 2 Dehnungsaufgaben für die Beinmuskulatur (Grätsche, Schläger wandert vom linken zum rechten Fuß, Beine gestreckt; Ausfallschritt, Schläger als vordere Stütze) - TN vollziehen nach, je 2 Wiederholungen. |
• einzeln um Gesamtfeld
je 1 Schläger / TN |
• allgemeine und tennisspez. Erwärmung;
gleichzeitige Wiederholung der Technik;
• Vormachen - Nachmachen für die TN neuer Dehnungs- aufgaben. |
| 15 Min | Vorbereitung
Wiederholung |
Je 2 TN an der T-Linie hintereinander: nach 2
RH Topspin cross Bällen im diagonalen Aufschlagfeld läuft der TN auf die
gegenüberliegende Spielfeldhälfte und stellt sich dort an. Schlägt er
unbedrängt Slice oder gerade, läuft er eine "Strafrunde" ohne
zu schlagen.
-------------------------------------------- Die 4 TN stehen sich an der Grundlinie paarweise gegenüber und sollen sich langsam und gleichmäßig RH-Bälle mit möglichst viel Topspin auf die RH des Gegenüber zuspielen. Nach 2 Minute wird um eine Position nach rechts gewechselt, also 4 Spielpositionen insgesamt mal 2 Runden. ÜL korrigiert individuell durch direkte Ansprache / Hinweise in der jeweiligen Spielecke. |
• Gruppe im T-Feld (2x2
hintereinander)
• paarweise an der Grundlinie, alle Ecken also besetzen
|
• Fortsetzung aufwärmender Elemente
("Rundlauf") • Technikwiederholung unter vereinfachten Bedingungen (Kleinfeld) --------------------- • Versuch des platzierten Zuspiels auf RH unter Anwendung des neuen Dralles • Hinweis des ÜL: nur wenn Bälle zu kurz oder flach geraten, darf Slice gespielt werden. |
| 20 Min | Hauptphase | Die 4 TN stehen hintereinander leicht auf der
linken RH-Seite versetzt an der Grundlinie. Jeder TN soll 5 RH Topspin
Bälle longline zu dem auf der gegenüberliegenden Grundlinie zuspielenden
ÜL schlagen. Unterlaufen dem TN dabei mehr als 1 Fehler, läuft er
"zur Strafe" zum rechten Netzpfosten und stellt sich dann wieder
hinten an. ÜL variiert sein Zuspiel auf die RH-Seite:
a.) verschiedene Höhen (flache schwerer, extrem hohe werden zunächst
weggelassen, da Sidespinanteile später) |
• einzeln an der Grundlinie
|
• Differenzierung: ÜL spielt S.Müller langsamer zu,
damit dieser mehr Zeit für eine längere Schlagphase erhält. U.Schmidt
erhält flachere Bälle, da sein fehlender Knieeinsatz verdeutlicht werden
soll. • TN sollen den neuen Vorwärtsdrall ohne (Lauf-)Belastung, aber in verschiedenen Situationen (Tempo, Höhe etc.) erfahren und ausprobieren. |
| 12 Min | Abschlusswettkampf | Je 2 TN hintereinander an den gegenüberliegenden Grundlinien mittig leicht auf der linken RH-Seite versetzt. Nach 2 hintereinander geschlagenen RH-Topspin cross Bällen wechselt der TN auf seiner Seite mit seinem Partner hinter ihm, bis der Ballwechsel ausgespielt ist. Spielfeld: halbiertes Einzelfeld, u.U. später als Schwierigkeitssteigerung: nur hinteres halbiertes RH-Feld. ÜL spielt im Wechsel ein, TN spielen Punkt aus bis 7, dann Seiten- oder eventl. Teamwechsel. Slice und gerade Bälle nur in "Notfällen" erlaubt, ansonsten Fehler - ÜL entscheidet und zählt. | • 2 x 2 hintereinander gegenüber an der Grundlinie | • Richtungswechsel vom vorherigen longline
(mit dem ÜL) nun stets cross unter Berücksichtigung des Topspins • motivierender, wettkampfähnlicher Ausklang mit ggf. Technikhinweisen des ÜL |
2003 by www.Marc-Brenzel.de