10-12jährigen Anfängern spielerisch den Vorhandschlag in der Grobform vermitteln!
| Übungsleiter: | Marc Brenzel |
| Ort / Datum: | Anlage des TV Lüdenscheid v. 1861 (1 Aschenplatz), 16.05.2003 |
| Dauer: | 55 Minuten (5 Minuten Platzpflege) |
| Teilnehmer: | 4 Anfänger (wenig Spielerfahrung): Fritz Müller, Peter Meier, Rolf Schmidt, Ralf Bäcker (Namen fiktiv) |
| Richtziel: | Vorhandschlag in der Grobform anwenden |
| Grobziel: | Einsatz und Anwendung des Vorhandschlags unter vielfältigen Bedingungen in spielerischer Form |
| Feinziele: | • ...sollen ihre rudimentäre Vorhandtechnik unter stark vereinfachten Bedingungen spielerisch anwenden (motorisch) |
| • ...sollen tennisspezifisches Zählen selbständig und konzentriert erlernen bzw. hier sicher werden (kognitiv) | |
| • ...sollen Freude an neuen vorhandbezogenen Spielen miteinander / gegeneinander haben (sozial / emotional) | |
| Einbindung der Stunde in die Reihe: | Diese zweite Einheit ist weder rein "sportartoffen", noch
ausschließlich "traditionell-technisch", sondern eher spielgemäß orientiert. Nach untenstehenden vier Stundeneinheiten erfolgt eine ähnliche
kleine Reihe zum Rückhandschlag: 1. Vom Hockey zum vorhandbezogenen Tennis; 2. Vorhand mit vielfältigen, spielerischen Zielübungen; 3. Vorbereitende ziel- und wettkampforientierte Vorhandaufgaben im Aufschlagfeld 4. Vorhand-Aufschlagfeld Turnier unter vereinfachten Bedingungen |
In dieser spielorientierten Stunde sollen bestenfalls Hinweise zu wenigen zentralen Merkmalen der Hauptaktion innerhalb der Schlagphase angesprochen werden, deren drei wichtigsten da sind: möglichst geradlinige, leichte vorwärts-aufwärts Bewegung des Schlägers; traditioneller "Eastern"-Griff (Kleinfingerballen seitlich auf hinterer Breitseite); fixiertes Handgelenk vor allem beim Treffpunkt. Diese drei Punkte wurden bereits im Tennis-Lehrplan 2 - Grundlagen - von 1984 herausgestellt und haben sich im Wesentlichen nicht verändert. Des weiteren existieren beim Tennis zwei Zählweisen: die zugegeben seltenere, aber leichtere Tie-Break Zählweise bis 7 Punkte soll hier angewendet werden, wobei bei einem 6:6 Gleichstand zwei Punkte Unterschied erforderlich sind.
Alle Teilnehmer spielen zwar bereits seit ca. zwei Jahren Tennis, dieses aber
nur sporadisch mit wenig Spiel- und Trainingserfahrung. Ihnen ist der technische
Unterschied zwischen Vor- und Rückhand in den wesentlichen Aspekten bereits
vermittelt worden, sie verwechseln aber noch häufig den Griff oder schlagen mit
Rückwärtsdrall. Aufgrund der knappen Matchpraxis (selten Spiele mit den Eltern)
sind sie zudem unsicher beim Zählen:
Fritz Müller ist der leistungsstärkste und älteste in der
Vierergruppe. Ihm sind bereits detaillierte Hinweise v.a. in der Hilfsaktion zu
erteilen;
Peter Meier spielt neuerdings (beeinflusst durch seinen Vater) nur noch
Vorhand-Slice. Er weist zudem Defizite in der Grundlagenausdauer auf;
Rolf Schmidt hat zu Weihnachten einen neuen Schläger bekommen, an den er
sich noch nicht gewöhnt hat. Er greift bei der VH oft den RH-Griff;
Ralf Bäcker ist der jüngste Teilnehmer. Er steht oft zu nah am Ball
oder rotiert zu stark in der Hüft- und Schulterachse.
Nachdem die Teilnehmer bislang häufig sportartübergreifend trainiert wurden, es wurde oft Fußball und Hockey gespielt, sollen sie nun in prozentual höherem Anteil an den Tennissport herangeführt werden. In den letzten Wochen sind dem Übungsleiter jedoch Schwierigkeiten beim selbständigen Mitzählen der Punkte aufgefallen - zuvor hatte der Leiter stets selbst gezählt -. Da die Teilnehmer zukünftig jedoch auch häufiger untereinander spielen sollen und zumindest bei den Kindervereinsmeisterschaften teilnehmen möchten, sind Regelhinweise nun unumgänglich. Da zwei Teilnehmer aus der Fußballabteilung wechselten, sind hier die Situationen "Mann gegen Mann" bzw. "Jeder zählt für sich" zu verdeutlichen. Da die Kinder nur einmal in der Woche angeleitet werden, ist eine Vorhand-Reihe von vier Stunden hintereinander fast überdimensioniert, da andere Schläge vernachlässigt werden müssen.
Die 5-6 Minuten dauernde Aufwärmphase soll aus Gründen der Wiederholung und Motivation an die vorangegangene Einheit anknüpfen bzw. in der anschließenden kurzen Dehnungsphase an die Eigenverantwortung der jungen Teilnehmer appellieren. Auch laut J. Weineck (1994) - Sportbiologie - ist eine derart verkürzte Erwärmung in dieser Altersklasse durchaus ausreichend. Der VH-Griff ist bei passender Gelegenheit anschaulich an Rolf Schmidt zu demonstrieren, der hier die größten Schwierigkeiten hat. Vor allem Ralf Bäcker sind die Bälle über das übliche Maß hinaus diagonal versetzt zuzuspielen, da er häufig zu nah zum Ball steht. Die beiden stärkeren Teilnehmer Fritz Müller und Peter Meier sind insbesondere zum konzentrierten Mitzählen anzuregen, da sie zukünftig kleinere Turniere mitspielen möchten. Methodisch vereinfacht wird hier zunächst nur die Tie-Break Zählweise in spielangepasster Form angewendet.
| Zeit | Phase | Aktivität ("TN"=Teilnehmer, "ÜL"=Übungsleiter) | Sozialform / Medien | Kommentar |
| 6 Min | Aufwärmen | TN laufen mit maximalem Abstand um ein Einzelfeld und
schieben einen von der Mitte zugerollten VH-Ball mittig zum ÜL zurück. Dabei zählen
sie laut ihre Ballkontakte mit, erreicht ein TN "7" - Ende.
TN sollen je 2 Dehnaufgaben ihrer Wahl für Beine und Arme mit je einer Wiederholung selbständig durchführen, ÜL überwacht / korrigiert. |
• einzeln im Einzelfeld
• 4 Bälle an den Einzelfeldecken zur Orientierung; möglichst nur ein Spielball |
• allg. u. tennisspez. Erwärmung; variierende
Wiederholung;
• Eigenverantwortung und Kreativität. |
| 15 Min | 1. Hauptphase | Scherzaufgabe "Stuhl": Ein Plastikstuhl wird auf
die T-Linie gestellt Richtung VH-Seite. Jeder TN schlägt sitzend 5
exakt zugespielte VH-Bälle und zählt jeweils einen Punkt für getroffene
hintere rechte (alternativ linke) Einzelfeldhälfte. Anschließend läuft er einmal um das Spielfeld und
sammelt dabei so viele Bälle, wie er vorher verschlagen hat, z.B. Netz, zu
kurz etc. (zwischen 0-5).
Nach Hälfte der Zeit: gleiche Aufgabe - stehend auf dem Stuhl |
• einzeln im T-Feld • 1 Pausenstuhl; Linie per Fuß halbiert/ verkleinert das hintere Einzelfeld als Zielfläche
|
• Ausschaltung der Beinarbeit auch zwecks erhöhter
Konzentration auf das Mitzählen • Verdeutlichung der eigenen Fehler durch Abhängigkeit mit einzusammelnder Ballanzahl • Aufrechterhaltung der Erwärmung durch Bälle sammeln bis Förderung der Gleichge- wichtsfähigkeit durch 2. Aufgabe
|
| 15 Min | 2. Hauptphase | TN sollen einzeln im Aufschlagfeld gegen den
ÜL stets VH-Bälle so kontrolliert und zielgenau schlagen, dass der ÜL
diese Bälle erreichen kann (zuspielen) und eigene Fehler vermieden
werden. Der TN zählt laut seine gelungenen VH-Kontakte bis maximal 7 mit.
Erreicht er 7 Punkte ohne vorherigen Fehler, hat er gegen den ÜL
gewonnnen.
Variation nach Hälfte der Zeit: ÜL steht nun zunächst rechts auf der T-Linie, so dass die rechtshändigen TN VH-cross anspielen müssen; schließlich steht der ÜL links ->VH longline. |
• einzeln im T-Feld • eventl. Zurückgreifen auf Methodikbälle bei den beiden schwächeren TN
|
• Differenzierung: ÜL spielt F.Müller und P.Meier
u.U. härter und schwieriger zu.
• TN setzen ihren Krafteinsatz diff. ein, da nun kleines statt vorher großes Feld (meth. klüger wäre allerdings umgekehrte Reihenfolge, hier Ausnahme) • taktische und kognitive Komponente: fehlervermeidendes Zuspiel und eigenes Mitzählen |
| 10 Min | 3. Hauptphase | ÜL viertelt per Fußziehen das Einzelfeld
durch Verlängerung der Aufschlagfeldhalbierenden. TN stehen
hintereinander, der 1. vor der T-Linie, der 2. mit Sicherheitsabstand auf
der Einzellinie usw. Jeder TN soll 2 VH Bälle in das Feld schlagen,
welches der ÜL zuvor durch Zuruf bekannt gibt. Bei Treffer des
Viertelfeldes - 1 Punkt mitzählen. Der erste TN mit 7 Punkten insgesamt
gewinnt, ein neues Spiel beginnt.
Variation nach der Hälfte der Zeit: TN dürfen eines der vier Felder zuvor als Ziel selbst angeben. Nach 3 gewonnenen Runden muss derjenige TN die gleiche Übung von der Grundlinie aus durchführen. |
• einzeln im T-Feld bzw. später u.U.
an der Grundlinie
• ÜL spielt wiederum von der gegenüberliegenden T-Linie zu |
• Aus konditionellen und spannungssteigernden Gründen
ausnahmsweise nur 2 Bälle pro TN, dann Wechsel (trainingswissenschaftlich
sinnvoller: 6 Bälle).
• Aus Gründen der Chancengleichheit / Motivation und Komplexitätserhöhung: 3-fache Sieger schlagen von der Grundlinie. |
| 9 Min | Abschlussspiel | Rundlauf mit Methodikbällen im Aufschlagfeld ausschließlich VH-cross, d.h. nur die diagonalen Aufschlagfelder zählen als Zielfläche. Jeder TN schlägt 2 Bälle hintereinander, läuft dann auf die entgegengesetzte Seite. Beim 7. Fehler ist der eigenverantwortlich zählende TN ausgeschieden. | • alle im T-Feld
• Methodikbälle |
• Vorbereitung auf die folgende Einheit, in der die TN
verstärkt untereinander spielen sollen, weniger ÜL-zentriert.
• freudvoller Ausklang mit wettkampfähnlichen und läuferischen Aspekten unter Berücksichtigung des VH-Schlages. |
2004 by www.Marc-Brenzel.de