Methodik: Schritte / Maßnahmen / Verfahren, die in der Vermittlung
oder Ausbildung angewandt werden. Bewusstes, planmäßiges, durchdachtes, auf ein
Ziel gerichtetes Vorgehen beim Lernen, Üben und Trainieren. Kurz:
"Wie...?"
Nachfolgend habe ich ein paar Prinzipien (Tipps) zusammengestellt, die eurer
Tennisstundengestaltung dienlich sein sollten.
Methodische Prinzipien
- Prinzip der Tennisbedeutsamkeit
Viele (Tennis-) Sportlehrbücher gehen seit vielen Jahren davon aus,
insbesondere im Vorschul- und frühen Schulkindalter eine koordinative,
allgemeinere, sportartübergreifende, breitere, spielerische Grundlagenschulung
durch Lerngelegenheiten zu
vermitteln. Vorteile der Motivation und Vielseitigkeit stehen eventuelle
Nachteile der Elterntransparenz, Werbung für fremde Sportarten und
vernachlässigende Konzentration auf das Wesentliche gegenüber.
- Prinzip des Entwicklungsgemäßen
Zugegeben hinkt die Tennispage in ihren technik-betonten Ausführungen oft
einem überholten, früheren Ansatz hinterher. Zumindest in der
breitensportlichen Praxis ist jedoch der spielgemäße Ansatz äußerst
beliebt, motivierend und erfolgreich, zumal sie dem kindgemäßen
"Spieltrieb" entgegen kommt. Unabhängig von der Unterteilung in
technikorientiert, spielgemäß oder sportart-offen sollte hier aber vor
allem die Schwerpunktsetzung innerhalb der koordinativen und konditionellen
Fähigkeiten berücksichtigt werden. Sportbiologie und
Trainingswissenschaften diskutieren über sogenannte sensible Lernphasen.
- Prinzip der Anschauung
Bei der Vermittlung von (Tennis-) Inhalten kannst du nach dem
"EIS-Prinzip" mindestens drei Ebenen
unterscheiden: Bei der sprachlich-abstrakten Form solltest du dich mit
deinen mündlichen Erklärungen ("Du stellst dich da hin, läufst dann
dort hin, schlägst so und so...") so kurz und prägnant wie möglich
fassen. Mehr als zwei Sätze ausschließlich mit dieser höchsten
Anforderung der Anschauung sind eine Zumutung vor allem für Kinder und
oftmals Zeitverschwendung, zumal dann vom Gehörten oftmals nicht mehr als
20% behalten wird. Auf der mittleren Ebene lässt sich mit
ikonisch-bildhaften Formen arbeiten, so z.B. mit Bilderreihen zur Technik
oder schnellen Aufzeichnungen auf dem Sandplatz. Die letzte Form ist
schließlich die enaktiv-handelnde, bei der du beispielsweise die
Armführung des trainierenden Kindes bei der Technikschulung selbst
übernimmst, anstatt darüber große Vorlesungen zu halten. All das, was man
selbst tut, behält man eher als ausschließlich über rein akustische oder
visuelle Signale, wenngleich es unter Umständen zunächst(!) mehr Zeit in
Anspruch nimmt.
- Prinzip der kleinen Schritte
Damit sind natürlich nicht die ebenfalls empfehlenswerten kurzen Stepp-Schritte
zur Platzmitte gemeint, sondern ein behutsames Fortschreiten
der Anforderungen. Generelles Beispiel: zunächst den fallengelassenen Ball
im Stand schlagen, dann den angeworfenen Ball im Stand schlagen, dann aus
der Ausgangsposition mit einem Schritt zur Seite schlagen, dann aus der
Bewegung schlagen, dann im Wettkampf gegen den Lauf schlagen usw.!
- Prinzip des Handelns
Damit meine ich weniger die Kritik an einige Trainer-Kollegen, die zu
vielleicht 30% ihrer bezahlten Trainerstunde per Handy telefonieren und dadurch leider
"nicht-handeln" oder die einen Laisser-faire Stil pflegen, also
einer Anarchie auf dem Tennisplatz zuneigen. Dieses
"Tätigkeits-Prinzip" zielt schon eher darauf ab, während der
Trainingsstunde weniger zu diskutieren, zu lamentieren, zu labern oder auch
ausschweifend zu erklären. Vielmehr sollten möglichst viele Bälle
geschlagen, also selbst ausprobiert werden. Leerlauf oder gar Langeweile mit
kopf- und frontalunterrichtslastigen Elementen vermeide ich möglichst,
einige Tennisstunden hielt ich bereits erfolgreich komplett
wortlos-pantomimisch ab. Ursächlich begründet sich dieses Prinzip
allerdings anhand der Lerntheorie (s.o. "Anschaulichkeit").
- Prinzip von konkret nach abstrakt
Streng genommen sind eigentlich auch die häufig zu beobachtenden Hockey-
oder Fußball-Spielchen im (aufwärmenden / auflockernden / angeblich
hinführenden) Tennisunterricht eher "abstrakt" bzgl. der
gezielten Tennisschlagtechnik. In einer Überschneidung mit den bereits oben
genannten Prinzipien werden hier zunächst wirklichkeitsnahe
Anschauungsformen (z.B. des direkten, gezielten Handelns) bevorzugt, bevor eventuell abstraktere Regeln und Taktiken in zudem abstrakter sprachlicher
Form behandelt werden.
- Prinzip der Reizstrukturierung
Ich meine damit eine Lenkung der Aufmerksamkeit auf den vornehmlich
visuellen Reiz des Tennisballs. Standard-Floskeln einiger Trainer-Kollegen
("Guck den Ball an!") sind hier unter Umständen weniger
hilfreich, als das Ausschalten von ablenkenden Außenreizen (zuschauende
Eltern quatschen dazwischen, Kinder hinter dem Zaun spielen fangen usw.).
Vor allem im fortgeschrittenen Tennistraining werden diese externen
Ablenkungen dann wieder bewusst gesetzt.
- Prinzip der Individualisierung
Ohne den 56793. Aufsatz zum ganzheitlichen Menschen mit seinem Recht auf
Individualität zu schreiben, möchte ich auf einige differenzierende
Maßnahmen während der Tennisstunde hinweisen. Unterscheide: a.) äußere
Differenzierung (Oberbegriff)/ Gruppenzusammensetzung (homogenere oder
heterogenere Fähigkeiten), b.) zeitliche Differenzierung (z.B. Ausdauer
berücksichtigen), c.) räumliche Differenzierung (von der T- oder bereits
der Grundlinie schlagen), d.) Differenzierung nach Art des Zuspiels
(langsam/ dralllos oder bereits zügig), d.) Differenzierung nach der
Aufgabenstellung ("Du schlägst im Stand, du aus dem Lauf...").
- Prinzip der Vielsinnigkeit
Wenngleich die Tennisstunde keine sonderpädagogische Wahrnehmungsförderung
darstellt, kann man beispielsweise Übungen einbeziehen, bei denen auf eine
Berührung (=taktil) hin ein Stoppball erlaufen werden soll oder bei denen
auf ein Klatschen (=akustisch) erst zu einem extremen Ball gesprintet werden
darf. Viele Sinne ansprechen beinhaltet im weiteren Sinn auch eine
Vielseitigkeit und motivierende Abwechslung im Trainingsalltag.
- Prinzip der Wiederholung
Im Rahmen von seit Jahrzehnten bekannten und immer noch verwendeten
"methodischen (Übungs-) Reihen" sollte man gerade zu Beginn einer
neuen Einheit an das bislang Erlernte anknüpfen bzw. dieses wiederholen und
damit festigen. Gern gestellte Prüfungsfragen in der Trainerausbildung
beschäftigen sich dann innerhalb einer Einheit mit der idealen Anzahl der
Schlagwiederholung zwecks koordinativer Technikverbesserung vor einer
unvollständigen Pause (meine Lieblingsantwort / Empfehlung bleibt hier nach
wie vor: "5":-).
- Prinzip der abnehmenden Hilfe
(Kommerzielle) Hilfsmittel, Hilfestellungen, Erleichterungen und
Orientierungen sollten nach und nach abgebaut werden. So könnte man gerade
zu Beginn des Flugball-Erlernens den Schläger mit einem Seil an der
Netzkante befestigen, um ein zu weites Ausholen mechanisch zu verhindern.
Schaumstoff- und Methodikbälle fielen ebenfalls in diese Kategorie, um an
dieser Stelle nur zwei von vielleicht 100 Hilfen zu nennen.
- Prinzip vom Bekannten zum Unbekannten
Verknüpfe deine Tennisstunde doch mit den bisherigen Erfahrungen deiner
Tenniskinder. So "kennen" diese eventuell bestimmte Schlagarten,
Laufformen o.ä. aus anderen, verwandten Sportarten oder dem Alltag. Das Prinzip
überschneidet sich mit dem Wiederholungs-Prinzip. Allemal sollten bereits
bekannte Techniken und Taktiken in neuen Situationen erfahren, ausprobiert
und ausgebaut werden.
- Prinzip vom Einfachen zum Komplexen
Sinnvoll wäre hier beispielsweise zunächst eine isolierte Aufgabenstellung
mit nur einem einfachen Laufweg / Schlag, um dieses danach weiter (taktisch)
auszubauen, sprich komplexere, wettkampfnähere Spielsituationen zu schaffen.
Unterscheide dieses Prinzip zumindest in Trainerprüfungen vom vermeintlich
ähnlichen "Vom Leichten zum Schweren" oder "Vom Nahen zum
Fernen".
- Induktiv oder deduktiv
Abschließend kannst du dir in idealtypischen Scheuklappen für deine
C-Trainer-Prüfung noch diese beiden Begriffe bzw. Verfahren merken: Bei der
prozessorientierten, induktiven Möglichkeit steht im Rahmen des Suchens,
Erprobens und Herausfindens der besten (Schlag-) Lösung die
Selbständigkeit und Selbsttätigkeit deines Tennisschülers im Vordergrund
- dein sozial-integrativ eingestellter Prüfer wird sich freuen. Bei der
produktorientierten, deduktiven Möglichkeit steht im Rahmen des Aufzeigens,
Beschreibens, Erklärens die trainerdominierten Anweisungen im Vordergrund -
dein auf vermeintlich schnellen, sichtbaren Lernfortschritt drängelnden
Eltern werden sich freuen. Verfüge in der Praxis über beide Verfahren je
nach Situation (Mischformen).
- Teilschritt- oder Ganzheitsmethode
Zerlege bei der erstgenannten Methode die einzelnen Elemente der
Gesamtbewegung in isoliert zu übende Phasen, indem du zum Beispiel monoton
nur den Aufschlag- Ballwurf mit dem linken Arm durchführen lässt. Bei der
umfassenden Ganzheitsmethode behandeltst du bereits gleich zu Beginn die
komplexe Gesamtbewegung des Aufschlags. Diese vermeintlich komplexere(!)
Methode muss aber nicht unbedingt die schwierigere(!) sein. So kannst du mit
weiteren methodisch-medialen Hilfen (hier: Aufschlag von der T-Linie, mit
Schaumstoffbällen, durch langsameres Vormachen usw.) auch die
Ganzheitsmethode zwecks besserer Übersicht und eventuell höherer
Anfangsmotivation deiner Tennisschüler anwenden, anstatt jede Schlagtechnik
stets künstlich-mechanisch zu zerstückeln, was übrigens nichts mit dem
Prinzip der kleinen Schritte zu tun hat.